Romantisches Erzählen

Hrsg. von Gerhard Neumann

Erzählen: das ist, vor allem anderen, die Kunst des Beginnens – und es ist zugleich die Kunst der sich fortspinnenden Vergegenwärtigung eines Subjekts, das als erzähltes seinen Weg durch die Welt sucht. Die romantische Erzählkunst ist bestimmt durch die Kunst des Anfangs, die Sexualität, Subjektivität und Kommunikation als Themen akzentuiert. Romantisches Erzählen ist Selbstbestimmung, aber auch Konstitution von Selbst und Welt, als einer kommunikativen Aktion, vor allem aber die Bedingung der Möglichkeit sozialer Ordnung und Ortfindung. Die Romantik stellt die Frage nach dem Anfang des Menschenlebens in all seinen Bildungen und Codierungen auf neue Weise und knüpft daran die Frage nach der Erzählbarkeit dieses Lebens.

Der Bildungsroman auf der einen Seite, die auf neue Weise im deutschen Sprachraum sich entwickelnde Novelle auf der anderen Seite sind nur zwei verschiedene, aber durchaus aufeinander bezogene Neuformulierungen dieses anthropologischen Programms, das aus dem ‘romantischen’ Interesse für die Anfänge entspringt. Die Beiträge in diesem Band greifen in ihren Themen und Thesen jenes Grundmuster auf, das durch den Teppich romantischen Erzählens gebildet wird und stellen Fragen über Identität, Textualität und Kontextualität

G. Neumann: Einleitung – W. Hinderer: Die Depotenzierung der Vernunft: Kompensationsmuster im präromantischen und romantischen Diskurs – A.v. Bormann: “Und ich will mich nicht bewahren”. Zum Erzähl-Ich (in) der deutschen Romantik – J. Bossinade: Bettina von Arnim: Identifikationen des Ich. Entwurf für eine Lesart – G. von Graevenitz: Romanform und Geschlechterkampf. Zu Arnims “Dolores” – G. Neumann: Erzählweg und Gedächtnisraum. Ein poetologisches Modell der Narration in Brentanos “Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl” – J. Hörisch: “Der Quell des Zentrums” oder Die Gabe der Poesie. Vom Ur/Sprung romantischen Erzählens – G. Schulz: Satanskinder. E.T.A. Hoffmanns schwarze Romantik – I. Oesterle: Arabeske Umschrift, poetische Polemik und Mythos der Kunst. Spätromantisches Erzählen in Ludwig Tiecks Märchen-Novelle “Das alte Buch und die Reise ins Blaue hinein” – Chr. Lubkoll: Der Lehrbrief des (Kapell)-Meisters. E.T.A. Hoffmanns Kreisleriana – ein Anti-Bildungsroman? – A. Stephens: Kleists erzählerische Repliken aus Goethes “Wilhelm Meister” – Diskussionsprotokoll

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